Dienstag, 19. November 2013

Das Geschäft mit der Altkleidung - aber wohin denn dann damit?!

Bereits letzte Woche haben wir über die traurige Wahrheit des Milliardengeschäfts das mit unserer aussortierten Kleidung betrieben wird berichtet. Bleibt die Frage, wenn man kommerzielle Sammler, wie es letztlich auch bei H&M der Fall ist ablehnt, wohin dann mit meinen alten Klamotten?
Bleiben wir diesmal bei den Altkleidercontainern. Oft schon wurde in den Medien berichtet, dass die Kleidung die wir dort spenden überhaupt nicht karitativ eingesetzt wird. Und doch will ich nicht glauben, dass wenn ich beispielsweise beim Roten Kreuz Kleidung spende, diese nicht auch kostenlos an Bedürftige weitergegeben wird. 



In dem unten aufgezeigten Beitrag (er geht diesmal eine halbe Stunde aber nehmt euch bei schlechtem Wetter mal Zeit für eine Tasse Tee und schaut ihn an, ich kanns nur empfehlen, vor allem den Schluss) sagt ein Sprecher des Roten Kreuzes: „Jeder Mensch hat das Recht zu erfahren, was mit seiner Spende passiert.“ Doch wieso verweigert sich dann eben diese Organisation Stellung dazu zu nehmen, was es für Geschäfte mit den gespendeten Kleidern macht?!
Denn bei etwas Recherche stellt sich schnell heraus, dass gemeinnützige Einrichtungen die Container meist selber gar nicht entleeren, sondern sich von privaten Firmen, wie dem Textilverwertungsgiganten Soex, ordentlich bezahlen lassen, damit diese diesen Job für sie übernehmen -  mit dem Statement: Anders würde sich das ja gar nicht rechnen!! Dies nennt man nichts anderes als einen Logo-Verkauf. So gibt sich das Rote Kreuz her, dass private Firmen in ihrem Namen sammeln dürfen. 

Fakt ist, dass durch den explodierenden Konsum allein in Deutschland viel mehr Kleidung anfällt, als Spenden für Bedürftige überhaupt benötigt werden. Die Ausgabestellen quillen über, es gibt wesentlich mehr Angebot als Bedarf und genau das Geschäft haben die Firmen gewittert. Die Kleidung wird sortiert und in die ganze Welt verkauft. Im Beitrag wird als Beispiel Tansania aufgeführt. Nur ein Land von vielen, das mit unserem ursprünglich gut gemeinten Spenden überschwemmt wird. Das Paradoxe - die Menschen dort müssen dann im Verhältnis zu ihrem geringen Monatslohn ein Vermögen für unsere ausgesonderte Kleidung bezahlen, die wir eigentlich verschenkt haben. Gleichzeit wird deren eigene heimische Textilindustrie völlig zerstört und Arbeitsplätze vernichtet. All dies ist einem jedoch nicht bewusst, wenn man einen Beutel Kleidung in die Altkleidertonne wirft…

Da stellt sich die Frage - Was kann ich tun? Nun ja, klar, es wird immer irgendwie Kleidung anfallen die nicht mehr zu tragen ist, sei es weil sie ausgewaschen ist oder ganz einfach kaputt gegangen ist. Doch auch wenn die Altkleiderverwertung eine einzige Schweinerei ist, können wir trotzdem darauf achten, an wen wir diese Altkleider geben. Letztlich werden sie so gut wie immer skrupellos über Dritte gewinnbringend weiterverkauft. Aber es gibt karitative Einrichtungen, die sich damit zumindest nicht selbst bereichern, sondern den Erlös wieder für Projekte und gute Zwecke nutzen. Hierfür bin ich auf eine aufschlussreiche Seite im Internet gestoßen die trefflicherweise Fairwertung heißt, wo ihr euch über das gesamte Thema Altkleidung und die möglichst karitative Entsorgung informieren könnt, wie zum Beispiel die Aktion Hoffnung aus Augsburg.

Der einzige Ausweg aus dieser Misere wäre allein, die Masse an Altkleidung, die beispielsweise in Deutschland anfällt, drastisch zu reduzieren! Klar, am effektivsten aber auch am unbequemsten wäre es, deutlich weniger zu kaufen, um hinterher auch nicht so viel wieder ausmisten zu müssen.  Aber als bekennende Shoppingqueen fällt mir das nun mal auch nicht einfach. Man - „Frau“-  steht ja doch immer in der Kabine und überlegt: Steht mir das wirklich? Naja, ist ja ein Schnäppchen… man muss es nur gut kombinieren, etc.

Deshalb habe ich für mich noch einen anderen Weg gefunden, für mich persönlich, zu vermeiden, dass mein Konsum hinterher in diese Elendsspirale gelangt. Die Antwort  klingt banal, teils verpönt, teils modisch aufgewertet durch das Label „vintage“: Secondhand. Zugegebenermaßen war ich zu Beginn skeptisch, bin jedoch positiv überrascht. Eine tolle Seite ist Kleiderkreisel. Hier kann man nach Lust und Laune shoppen, ohne neue Ressourcen zu beanspruchen, sondern bereits Hergestelltes nutzen. Und umgekehrt kann ich Dinge wieder in den Umlauf bringen, sei es noch für Bares oder einfach verschenken, damit die Sachen wieder getragen werden, die sinnlos bei mir im Schrank „gammeln“. Ich war mehr als einmal überrascht von dem echt guten Zustand den etliche Artikel noch haben, teils nie getragen, einfach von einem anderen Mädchen aus reiner Shoppinglaune heraus gekauft. 

Besonders für die Passauer haben wir hier noch ein Schmankerl. Wer die Sachen lieber sieht, bevor er sie mit nach Hause nimmt, um weiteres sinnloses „Gammeln“ zu vermeiden, kann die Chance nutzen und am 26. November 2013 ab 18 Uhr an der 2. Kleidertauschparty der HSG WinD mitzumachen! Dort könnt ihr alte Sachen mitbringen und neue wieder mit nach Hause nehmen! Tolle Sache!
Für alle die nicht aus Passau kommen, empfehle ich Kleiderrausch/Kleidertausch im Internet zu suchen. Vielleicht gibt’s das ja auch für eure Stadt!


Montag, 18. November 2013

Fisch-Gütesiegel im Vergleich. Was dahinter steckt und was Siegel nicht garantieren


Sicher standet ihr auch schon mal mehr oder weniger ratlos vor dem Tiefkühlregal im Supermarkt, und musstet euch im Dschungel der Gütesiegel und Zertifikate für einen bestimmten Fisch entscheiden.  Es stellt sich die Frage, was man von derartigen Siegeln erwartet: einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, Maßnahmen gegen die Überfischung der Meere, tierschonenden Fang, zügige unter vorheriger Betäubung erfolgende Schlachtung oder Fair Trade.
MSC Gütesiegel, wie man es im Handel findet

Fest steht, dass dem Tierschutz in der Fischerei bisher wenig Aufmerksamkeit zu Teil wurde, was vielleicht auch daran liegt dass man zu Fischen nicht so einen großen Bezug hat wie zu plüschigen Säugetieren. Außerdem war man lange davon überzeugt, dass Fische keinen Schmerz empfinden können und dass es somit keinen Unterschied macht, ob der Fisch beim Ausnehmen noch bei Bewusstsein ist oder nicht.
Wenn man sich also fragt, wo der Fisch im Supermarkt eigentlich herkommt, dann gibt es zwei Möglichkeiten: aus Wildbeständen oder aus Aquakulturen. Wenn man sich für Wildfisch entscheidet, hat man folgende Siegel zur Auswahl:

1.  Marine Stewardship Council (MSC): Ein Label, das vom World Wide Fund for Nature (WWF) gegründet  wurde, mit der Idee stets genügend Fische im Meer zu lassen, damit sich die Art weiter fortpflanzen kann. MSC zertifiziert aber nicht etwa einzelne Boote sondern die komplette Fischerei eines Gebietes. MSC ist zwar ein nachhaltiges Siegel und trägt zur Bestanderhaltung bei, allerdings sind weder Tierschutz noch Fair Trade ein Thema. Man sollte also von diesem Siegel nicht zu viel erwarten. So lässt MSC auch die Anwendung von Grundschleppnetzen zu, die den Lebensraum vieler Fischarten zerstören, indem der Meeresboden durch das Durchschleifen der Netze förmlich umgeackert  wird. 

2.  Friend of the Sea (FOS) ist ein europäisches Label für nachhaltige Fischerei, die überfischte Arten vermeidet und keine umweltschädigenden Methoden anwendet. Grundschleppnetze sind also verboten, da sie den Meeresboden schädigen. Da FOS aus der Umweltbewegung entstanden ist, wird auch hier kein Wert auf Tierschutz und Fair Trade gelegt. FOS ist trotzdem noch ein wenig strenger als MSC, da es einige nicht-nachhaltige Fangmethoden verbietet. 

3. Dolphin-Safe: Das ist ein Label speziell für den Thunfischfang welches sicherstellt, dass andere Arten, wie beispielsweise Delphine dabei geschont  und nicht als Beifang mitgefischt werden. Allerdings überprüft das Siegel nicht, wie es denn um die Bestände des Thunfischs bestellt ist.

Fazit: Die vielen Labels sind kaum vergleichbar, da sie unterschiedliche Ziele verfolgen.  Allerdings widmet sich kein Label dem fairem Handel oder tierschonendem Fang! Die einzigen Fortschritte in punkto Fair Trade macht die Organisation Fair Fish, die im Senegal ein lokales Projekt für faire Fischerei aufbaut.

Auch die Fangmethode, die auf der zertifizierten Fischverpackung im Handel sichtbar ist, lässt keine Rückschlüsse auf das Wohl der Tiere zu. Es gibt schlichtweg keine „gute“ Fangmethode, da alle die Tiere in Angst und Stress versetzen.  Die Fangmethode kann zudem nicht losgelöst vom Umgang mit dem Fisch an Deck des Fischkutters betrachtet werden. Nur das Zusammenspiel von zügigem Fang und schnellem Tode mit vorheriger Betäubung kann auch dem Tier zugutekommen. Klar, auch hier stellt sich die Frage inwieweit man überhaupt solchen Anforderungen zum Wohle der Tiere gerecht werden kann, wenn man wie beim Wildfang von Fischen von industrieller Massenfischerei ausgeht. 2011 wurden weltweit über 90 Mio Tonnen Fisch gefangen, davon entfielen lediglich  4,6 Mio Tonnen Fisch auf die EU.
Wenn einem wirklich etwas an nachhaltigem und tierschonendem Lebensstil liegt, sollte man Fisch einfach seltener essen. Die unabhängige Organisation www.fair-fish.ch empfiehlt, den Fischkonsum auf 1x pro Monat zu reduzieren, um den Meeren eine realistische Chance auf Regenerierung zu bieten.
Als kritisch empfinde ich es, wenn wie im Video von MSC (link weiter unten) Fisch als „Rohmaterial“ deklariert wird und nicht als Lebewesen. Dieser Umgangston wird verschärft mit der Mitteilung dass Wal-Mart in wenigen Jahren nur noch MSC-zertifizierten Fisch anbieten will. Da fragt man sich doch, ob nachhaltige Produktion der Nachfrage von 20 Mio Pfund gerecht werden kann. MSC hat mittlerweile bereits 200 Mio (!!) Seafood-Artikel im Angebot und verkauft diese in 36 Länder - es ist fraglich, ob dieser Wachstumskurs dauerhaft mit Nachhaltigkeit vereinbar ist…



Sonntag, 17. November 2013

„Hat der Mensch noch Zeit Mensch zu sein?“


Official Trailer [German] | JETZT! Bewusstseinswandel in der Wirtschaft from Julian Wildgruber on Vimeo.


In unserer sich immer rasanter entwickelnden, globalisierten Arbeitswelt leiden zusehends mehr Menschen unter stressbedingten Krankheiten und ähnlichem. Wir finden, auch dies ist ein Umstand, der fairbesserungswürdig ist. Dass der Mensch immer mehr zu einer Ressource für die Wirtschaft und dabei zusehends anonymisiert wird, ist doch ein Umstand, der bei genauerer Betrachtung sehr fragwürdig scheint.

Wir haben ein tolles Filmprojekt zu dem Thema entdeckt, das eure Unterstützung gut gebrauchen könnte, da es sich per Crowdfunding finanziert:

Jetzt! Bewusstseinswandel in der Wirtschaft 

In dem Film geht es um verschiedene Führungskräfte, die für sich einen Weg gefunden haben, dem Druck und Stress der heutigen Arbeitswelt zu entfliehen, um bewusster im „Jetzt!“ zu leben.

Die Filmemacher untersuchen, inwieweit die Krisen der heutigen Arbeitswelt Bewusstseinskrisen sind und welche Wege es für eine Veränderung von destruktiven Bewusstseinshaltungen gibt. Hanna Henigin und Julian Wildgruber treffen dabei auf Manager, Banker, Unternehmer, Quantenphysiker, Mikrobiologen, Neurowissenschaftler, Aktionsforscher, Unternehmensberater, Coaches und Meditationslehrer, die mit »Mindful Leadership«, »Meditation für Manager« und »Caring Economics« neue Wege beschreiten und neue Impulse für Verantwortliche in Unternehmen und für einen Kulturwandel im Wirtschaftsleben geben.

Samstag, 16. November 2013

Der Weg ins grüne Internet


Wenn man sich entschieden hat, beim Kauf neuer Produkte mehr auf Nachhaltigkeit zu achten, stellt sich das nächste Problem in Form von mehr als 400  „Öko“ und „Bio“-Labels. Welche davon sind wirklich nachhaltig und welche dienen hauptsächlich dem „greenwashing“ von Marken? Und wo bekomme ich eine große Auswahl an fair gehandelten Produkten?

Wegreen.de nimmt dir quasi die Recherche von der Aussagekraft der verschiedenen Siegel ab. Die Seite ist ein Online-Marktplatz für nachhaltige Produkte und teilt diese in ein übersichtliches Ampel-System ein, durch welches symbolisiert wird wie transparent, ökologisch und sozial Unternehmen, Marken und Produkte sind. Grundlage der Ampel sind 8 Nachhaltigkeitsdimensionen: Umwelt, Klima, Arbeitsbedingungen, Gesellschaft, Transparenz, Reputation, Gesundheit und Wirtschaftlichkeit. Außerdem wird durch die Kategorien Glaubwürdigkeit, Seriosität, Zugänglichkeit, Aktualität und Quantifizierbarkeit die Identität und Vorgehensweise der Informationsquellen bewertet. Das Ergebnis ist eine nachhaltige Suchmaschine für Elektronik, Kleidung, Lebensmittel und vieles mehr. Da die Seite mit über 200 Onlineshops zusammenarbeitet kann man mittlerweile aus mehr als 3 Millionen Produkten diejenigen kaufen, die wirklich nachhaltig produziert sind.

Wolltest du schon immer wissen, wie sich die verschiedenen Marken nachhaltig engagieren und ob überhaupt? Auch dies kann man auf wegree.de erfahren durch ein sehr interessantes Markenranking. Außerdem arbeitet wegreen mit dem Barcodescanner "Barcoo" zusammen, den ihr euch als App runterladen könnt. So habt ihr die Infos immer sofort auf dem Smartphone. Und wenn man der „Nachhaltigkeitsampel“ nicht traut, gibt es Quellenangaben, eine „Siegelkunde“ und eine Menge Denkanstöße, um selber weiter nachzuforschen.

Eine gute Idee, um in dem Siegeldschungel die Auswahl zu erleichtern und damit ein Tipp von uns. Schaut’s euch einfach mal an:  www.wegreen.de

Donnerstag, 14. November 2013

Wir verschenken Zeit!


Die Weihnachtszeit rückt näher und so langsam wird es Zeit, sich über Weihnachtsgeschenke Gedanken zu machen. Was gefällt unseren Liebsten und was scheint tatsächlich von Nutzen zu sein? Wie wäre es, dieses Jahr zu versuchen, dem Kaufrausch zu entkommen und stattdessen Zeit zu verschenken?


Ein ganz wundervolles Projekt von Michael Volkmer nennt sich „Zeit statt Zeug“ und ruft wie auch wir zum Verschenken von Zeit auf. Volkmer beleuchtet in seinem Projekt insbesondere den hohen Ressourcenverbrauch, der durch die Produktion vieler Konsumgüter entsteht. Und durch die Schnelllebigkeit der heutigen Welt bleibt kaum noch Zeit zur Pflege unserer sozialen Kontakte. Deshalb sein Vorschlag: Zeit statt Zeug verschenken, beispielsweise Kochabend statt Kochbuch, Stricken beibringen statt Pullover oder Waldluft statt Parfüm. Weitere tolle Ideen findet ihr auf der Internetseite www.zeit-statt-zeug.de.
Ebenfalls mit dem Thema Zeit schenken befasst sich das Designerinnenduo von www.younikat.com, das seine Produkte in sozialen Werkstätten produzieren lässt. Die beiden Designerinnen bieten in ihrem Shop ein „Zeit-Gutschein-Ideen-Set“ an zum Verschenken von Arbeitszeit, Freizeit, Auszeit etc. Und das Ganze natürlich noch anspruchsvoll verpackt in einem kleinen Kästchen. Definitiv eine Überlegung wert!
Unter dem Motto „Statt Zeit zu verschenken, jemanden mit Zeit beschenken“ bietet www.timebank.de seine Produkte an, die auf unterschiedliche Weise den Alltag der Beschenkten erleichtern und dadurch dabei helfen, Zeit einzusparen. Die durch das Geschenk gewonnene Zeit, kann man sich durch ein Zeit-Zertifikat bestätigen lassen und bei der Erstellung der Zertifikate wird timebank.de überdies durch die Behinderten-Werkstätten St. Josef unterstützt. Auch dieses Projekt solltet ihr euch unbedingt anschauen.

Wir hoffen, den ein oder anderen von euch haben diese tollen Ideen inspiriert. Wenn ihr noch weitere Vorschläge habt oder Projekte kennt, die sich mit dem Thema Zeit verschenken befassen, würden wir uns sehr über eure Kommentare freuen.