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Freitag, 27. Dezember 2013

Optimaler Kaffeegenuss und der Nachteil von Nespresso Kaffeekapseln

Ich liebe Kaffee und damit bin ich nicht die Einzige. Mit einem relativ hohen pro Kopf Kaffeekonsum von 6,4kg, macht Deutschland 23% des europäischen Kaffeekonsums aus. Deutschland ist demzufolge auch einer der größten Märkte für Haushaltskaffeemaschinen in Europa. Immerhin trinken 38% der Deutschen Kaffee zu Hause. 

Obwohl die Beliebtheit des Röstkaffees ungebrochen ist, steigen seit Jahren die Verkaufszahlen von Kaffee in Kapseln. Es ist mittlerweile Teil des aktuellen Lifestyles geworden, Kaffee in kleinen praktischen Portionen zu sich zu nehmen. Mit Hilfe von George Clooney’s Werbespot sind die Kaffeekapseln von Nespresso ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft geworden. 

Der Genuss von Nespresso & Co. ist auch nicht das Verwerfliche, als problematisch sehe ich hier mehr das Recycling. Die Alukapseln könnten 100%ig recycelt werden, aber das ist nur möglich wenn sie im gelben Sack/ in der gelben Tonne entsorgt werden. Aber viel zu häufig landet der Kapselmüll im Restmüll und damit in der Verbrennungsanlage. Im letzten Jahr allein erzeugte der Kapselkaffee 10.000 Tonnen Abfall. Die Ökobilanz für die bunten Kapseln ist erschreckend, so braucht man für die Herstellung der kleinen Behältnisse aus Aluminium unglaublich viel Energie. Zwar schließen die Aluminiumkapseln das Aroma des Kaffees ganz wunderbar ein, aber das bisschen Metall pro Kapsel summiert sich zu einem riesigen Berg. Bei rund sechs Milliarden Kaffeekapseln kommt man auf circa 6.000 Tonnen Aluminium-Abfälle. Das ist ungefähr soviel wie ein massiver Würfel mit 13 Metern Kantenlänge. 

Außerdem war Kaffee früher ein absolutes Luxusprodukt und nur für besondere Anlässe vorbehalten. Ein Pfund Kaffee war im Supermarkt noch ziemlich teuer. In den letzten Jahren ist der Preis für den Kaffee stark gefallen. Immer günstigerer Kaffee drängt auf den Markt. Die Konkurrenz beim Kaffee steigt und steigt. Dennoch scheinen Kaffeekapseln ein teurer Spaß zu bleiben. Bei einem Preis pro Kapsel in Höhe von ca. 35 Cent kommt man bei einem Kilo Kapselkaffee umgerechnet auf rund 70 Euro.
Eigentlich ist der Siegeszug der Kapseln schon beachtlich: auf die Idee, weniger Kaffee für mehr Geld zu verkaufen musste erstmal jemand kommen! Und normalerweise wären viele sicherlich nicht bereit für ein Kilo Kaffeebohnen diesen Betrag zu bezahlen. In Kaffeekapseln verpackt scheint dieses aber viele nicht zu interessieren. Zum Vergleich: sehr gute Espresso-Bohnen sind im Geschäft schon für ca. 20 Euro das Kilog zu bekommen. Natürlich sind diese dann nicht in Kapsel- sondern in Bohnenform. Aber eigentlich gibt es meiner Meinung nach nichts Besseres, als einen Kaffee aus frisch gemahlenen Kaffeebohnen.

Wer also auf Müllberge, Recyclingprobleme und teuren Kapselgenuss verzichten möchte, der kann sich beispielsweise mal wieder dem klassischen Filterkaffee oder dem Aufbrühen mit Papierfiltern widmen. Das ist zwar keine neue Erfindung, die Zubereitung dauert länger und wird nahezu zelebriert. Und das wiederum scheint zum aktuellen Trend der Entschleunigung, dem bewussten Genießen perfekt zu passen. 


Geht doch statt in die nächste Nespresso Boutique mal wieder in eine traditionelle Kaffeerösterei, ganz im Sinne von diesem Werbeklassiker:
 

Freitag, 20. Dezember 2013

Die größte Elektroschrotthalde der Welt oder wo unsere Weihnachtsgeschenke von vor zehn Jahren gelandet sind

Habt ihr euch schon mal gefragt wo eigentlich unsere alten Windows 95-Computer, Videorecorder, Scanner, Faxgeräte, Kopierer, Handys etc. mittlerweile gelandet sind? Gerade um Weihnachten herum ist bei uns die Zeit gekommen Elektrogeräte auszutauschen, Altes rauszuschmeißen um wieder auf dem technisch aktuellsten Stand der Dinge zu sein. Überall gibt es momentan Sonderangebote für Smartphones, Flatscreens und Tablets. Während wir also noch schnell bei Amazon unseren Weihnachtseinkauf mit einem Klick bestätigen bzw. zu Saturn oder Mediamarkt gehen, werden auf der größten Elektroschrotthalde der Welt in Ghana unsere ausgedienten Gerätschaften ausgeschlachtet. 

Agbogbloshie, so heißt der Ort mit der Müllhalde in Ghana, ist sowas wie ein Friedhof für alles, was wir als reiche Industrieländer nicht mehr wollen. Die Müllkippe ist ein Microkosmos mit eigenen Hierarchien, Aufgabenbereichen -- und jeder Menge Arbeit. Es gibt unzählige Menschen, die den Schrott sortieren, manche schmelzen Tag für Tag die Plastikumhüllungen von Kabeln. Andere nehmen die Geräte komplett auseinander, um an wertvolle Rohstoffe zu kommen, die im Inneren verbaut wurden: Silber, Gold, Palladium, seltene Erden, Kupfer. Das Geschäft boomt, für 500 Gramm Kupfer bekommt man dort rund 1,50 Euro. 
 
Was viele der Bewohner von Agbogbloshie nicht wissen ist, dass diese ganzen Stoffe und Dämpfe hoch giftig sind und Gehirn und Nervensystem dauerhaft schädigen. Nicht ohne Grund zählt der Ort zählt zu den Top 10 der verseuchtesten Gebiete der Erde.
 
Doch der Müll bringt die Jobs. Ghana ist mittlerweile eine der 20 schnellstwachsenden Volkswirtschaften der Welt. Das Land boomt, aber Agbogbloshie taucht in keiner Statistik auf, da es zum informellen Sektor gehört. Längst ist das Prinzip aus Müll Geld zu machen kopiert wurden. Für die Menschen in Agbogbloshie, die nicht wissen wie krank sie von der Arbeit werden, ist der Elektroschrott tatsächlich sowas wie Entwicklungshilfe.
 
Doch wie kommt unser Schrott eigentlich nach Ghana? Größtenteils wird er illegal außer Landes gebracht, denn es gibt Gesetze die verbieten kaputte Geräte zu exportieren. Aber es gibt eine Reihe von Möglichkeiten diese zu umgehen. Da das Verfahren zum Durchleuchten des Inhaltes von Schiffscontainern im Hafen noch in den Kinderschuhen steckt, werden immer wieder große Mengen Schrott per Container nach Übersee geschmuggelt. Aber hier wird sich ab Februar etwas ändern. 
Mittlerweile hat man in den Industrieländern erkannt, dass man die wertvollen Rohstoffe nicht wieder außer Landes bringen sollte, eben weil es die bei uns nicht gibt. Mit Beginn nächsten Jahres dürfen Secondhand-Geräte die EU nur noch verlassen wenn sie nachweislich noch funktionstüchtig sind. 

Was ihr tun könnt? Elektroschrott gesondert entsorgen und beispielsweise alte Handys keinesfalls in die Restmülltonne werfen. So können Spezialfirmen einen Großteil der Inhaltsstoffe wieder rausholen. Das kostet euch nichts, denn Hersteller und Händler sind zur Rücknahme verpflichtet und ihr leistet einen Beitrag für die Wiederverwendung der Rohstoffe.


Donnerstag, 12. Dezember 2013

Eine kleines Weihnachtstagebuch...


Die kalte Witterung läßt die Gedanken klarer hervortreten, der Alltag mit seinen dummen Streitereien tritt zurück und macht wirklich Wichtigem Platz. Mein  Nachbar erzählt mir, daß er in diesem Jahr beabsichtige, seine Tanne im Garten mit hübschen Lichtern zu schmücken. Wegen der Stimmung. Finde das toll.

Seit gestern hat mein Nachbar einen Tannenbaum illuminiert. Kleine Lämpchen, ca. 20 Stück weiß. Sieht hübsch aus, sagt die ganze Nachbarschaft. Habe beschlossen, mich solidarisch an der Weihnachtsstimmung zu beteiligen und mich im Baumarkt nach kleinen Lämpchen umgesehen. Erstand kurzentschlossen eine 50er Lichterkette mit extrastarken Lämpchen, brilliantweiß. Werde sie gleich heute abend montieren.


Komische Sache. Mein Nachbar scheint meinen Wunsch zur gutnachbarlichen Zusammenarbeit zwecks Verschönerung der Straße missverstanden zu haben. Heute Morgen waren bei ihm sämtliche Tannenbäume sowie zwei Kirschbäume mit Lichterketten versehen. Eine flüchtige Zählung mit dem Feldstecher ergab eine Rate von mindestens 80 Lämpchen je Baum. Soll das ein Wettkampf sein? Ist doch erwachsenen Menschen unwürdig.


Kam heute Mittag zufällig im Baumarkt vorbei. Wussten Sie, dass man bei Abnahme von 15 Lichterketten a 150 Leuchteinheiten Sonderrabatte erhält? Besonders effektvoll seien blinkende Ketten, vorzugsweise die 250er-Einheiten mit Hochspannungs- sicherheitstransformator und induktiver Anschaltung. Da ich das für übertrieben halte, habe ich für die große Tanne lediglich 2 davon gekauft. Komme unter Einsatz von zwei Gummibäumen auf jetzt 14 behängte Gewächse. Ein Odem des Friedens geht vom Garten aus.

Eine Kampfansage. Mein verschwendungssüchtiger Nachbar hat den kompletten Zaun mit Leuchtkörpern behängt. Ca. 1000 rhythmisch blinkende Lampen in geschmacklosestem technicolor. Die Farbe bringt einen Stich ins proletarisch-billige in die Weihnachtsbeleuchtung. Das bestätigt auch mein Elektriker, der an unserer Fassade Leuchtsterne und die biblischen Motive angebracht hat. 

Die rhythmisch blinkenden Figuren an sämtlichen Fenstern verursachen schlimme Kopfschmerzen, die auch bei Betrachtung meiner neu angebrachten 5000-Watt-Licht-bogen-Himmelstrahler nur wesentlich besser werden. Sie werfen rhythmisch zuckende Lichtfinger in den wolkenverhangenen Himmel und geben einen interessanten Kontrast zu den lasergesteuerten Beamern, die auf den Wolken interessante Bilder und Szenen aus der Weihnachtsgeschichte schreiben. Dagegen sind die neu installierten Lauflichter an den Fassadenkanten des Hauses meines intriganten Nachbarn geradezu lächerlich profan.


Hatte heute Besuch eines Technikers der städtischen Stromwerke, der den fulminanten Anstieg meines Stromverbrauches für einen Defekt im Leitungssystem hielt. Unsere Unterhaltung wurde stark gestört durch das elektrische Glockengeläut auf dem Nachbargrundstück, das mit 38 Kupferglocken elektronisch gesteuert die bekanntesten Weihnachtslieder spielt. Beim Weggehen meinte er kopfschüttelnd, ob ich nicht etwas gegen diesen Glockenradau unternehmen wolle. Zeige ihn meine neuen 2000-Watt Außenlautsprecher und die zugehörige Abspielstation für das Unterhaltungsband Stille Nacht. Heute Abend gehe ich auf Sendung.

Die Menschenmassen in unserer Straße nehmen langsam unübersehbare Ausmaße an. Dabei kann ich voller Stolz feststellen, dass das Ausblasen von feinen Silbersternen vor dem Haus die allgemeine Bewunderung auf dieser Seite der Straße konzentriert. Da kann auch das Rentiergespann mit Kinderbelustigung meines Nachbarn nichts daran ändern. Zumindest seit meinen kostenfreien Ausschank von Getränken und der Verteilung von Gebäckteilen.

Etwas Merkwürdiges ist passiert. Die Stadtverwaltung hat alle weihnachtlichen Zurschaustellungen in meiner Straße verboten, mit dem völlig irrelevanten Argument, hier werde ein nicht genehmigter Weihnachtsmarkt abgehalten. Ich bin fassungslos. Und das an Weihnachten, dem Fest des Friedens und der Besinnung.


;) Eine kleine Anekdote über das teilweise verrückte Lichterwettrüsten an Weihnachten. Oft sinnloser Strom-verbrauch, verursacht durch hollywoodreife Inszenierungen einiger Häuser im „Hilfe es Weihnachtet sehr“-Style.
Unser Fazit: Ein wenig Stimmung ist ein Muss zur Weihnachtszeit! Jedoch bitte nicht übertreiben und wenn möglich mit energiesparenden LED-Leuchten. Und am stimmungs-vollsten sind meist eh die guten alten Kerzen…
Eine stimmungsvolle und fairgnügte Weihnachtszeit euch allen!

Montag, 9. Dezember 2013

Giftstoffe rein, Giftstoffe raus, Giftstoffe auf die Haut


Sodium Laureth Sulfate, Cocamidopropyl Hydroxysultaine, Inulin, Glycerin, Polyquaternium-7, Disodium Edta, Methylchloroisothiazolinone, CI 42090, Tocopherol, Hydroxyprpyl Methylcellulose...Was genau ist eigentlich das, was ich mir da jeden Tag auf Haut und Haare schmiere? Um das zu verstehen, muss man wohl Chemiker sein. Aber ganz ehrlich, gesund klingt das nicht.
Die meisten Inhaltsstoffe von Kosmetika sind tatsächlich alles andere als gesund. Sie sind teilweise sogar giftig, krebserregend oder schädlich für das Gehirn. Und obwohl die Produkte auf Verträglichkeit getestet werden, wirft so mancher Inhaltsstoff dennoch ein großes Fragezeichen auf. Nicht alle Chemikalien sind nämlich (ausreichend) getestet, geschweige denn ist bekannt, wie sie mit den anderen Chemikalien, denen wir im Alltag so begegnen, reagieren.
In Anbetracht der Tatsache, dass wir allein bei der Morgenwäsche mit ein paar Dutzend Chemikalien in Berührung kommen, ist das durchaus beunruhigend.
Wieso müssen denn in Kosmetik überhaupt so viele undefinierbare Inhaltsstoffe drin sein? Und vor allem, was kann man dagegen tun?

Das folgende Video The Story of Cosmetics von Annie Leonard greift genau diese Problematik auf. Die US-Amerikanerin setzt sich in einer Reihe von Videos kritisch mit dem Konsumkreislauf auseinander, d.h. mit dem Anbau der Rohstoffe, der Produktion, dem Vertrieb und dem Konsum von Waren – und den Folgen, die dieser mit sich bringt. Außerdem zeigt sie, dass die letzte Station im Kreislauf noch lange nicht der Mülleimer hinter unserem Haus ist. 
Anschauen lohnt sich!




Auch sehenswert: The Story of Electronics ganz getreu dem Motto "designed for the dump". Und für alle, die etwa 20 Minuten Zeit haben: The Story of Stuff


 

Freitag, 6. Dezember 2013

Hinter den Kulissen von Zalando schreit nicht jeder vor Glück

Wer kennt sie nicht, die Werbespots mit lauter kreischenden Frauen, überglücklich über neue High Heels, Shirts und Kleider.
Zalando ist bereits fünf Jahre nach seiner Gründung zum Inbegriff des Online-Shoppings für Schuhe und Klamotten geworden. Über 15 Millionen Kunden in 15 Ländern kaufen bereits bei Zalando. Der schrille Kreischalarm ist also allgegenwärtig, schließlich hat Zalando den Glücksschrei zum Markenzeichen auserkoren. Doch wie siehts bei Zalando hinter den Kulissen, in den Logistikzentren aus?

Immer wieder gerät Zalando ins Visier von Gewerkschaften und Medien. Aus deren Sicht und seitens der betroffenen Mitarbeiter der Logistikzentren könnten die Arbeitsbedingungen besser sein. Die größten europäischen Logistikzentren Zalandos sind in Erfurt und Leipzig. In diesen strukturschwachen Gebieten Mitteldeutschlands werden die Onlinehändler auf roten Teppichen hofiert und gleichzeitig wird dadurch eine Riesenzahl an Niedriglöhnern gefördert. So gibt es bei Zalando keine Tarifverträge, dafür aber permanente Kontrolle, Sitzverbot, lange Wege und kurze Pausen. Im Sommer sind die Lagerhallen viel zu heiß, sodass die Packer massiv mit Kreislaufproblemen kämpfen und im Winter in den zugigen Gebäuden frieren. Das Akkordpacken ist kein Traumjob, denn das Lohnniveau befindet sich am unteren Level und reicht alleine zum Überleben nicht aus. Viele der Mitarbeiter müssen ihren Lebensunterhalt aufstocken und bekommen so zusätzlich zum Job staatliche Unterstützung. Unwahrscheinlich, dass unter diesen Bedingungen auch allen Mitarbeitern nach einem Schrei vor Glück zu mute ist.

Damals hat das Land Thürignen Zalando eine Strukturförderung in Höhe von 22,4 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Zwar bekommt die Region vor Ort als Gegenleistung ein paar tausend Arbeitsplätze, aber keine Gewerbesteuer von Zalando. Thüringen bewirbt mit seiner Förderpolitik also gezielt die eigene Region als Niedriglohngebiet! Aber sollte es nicht das Ziel sein Arbeitsplätze zu schaffen, von denen man auch (über-)leben kann?
Daran sieht man, dass großes (Konsumenten-)Glück und (Mitarbeiter-)Unglück ganz dicht beieinander liegen können.

Habt ihr gewusst, das Klamotten und Schuhe mittlerweile knapp 20% des kompletten Onlinehandels ausmachen? Und dass 50% der Bestellungen bei Zalando, bestimmt auch dank der gratis Rückversandsoption, wieder zurückgeschickt werden? Besonders nachhaltig für die Umwelt ist das ja nicht, wenn der Postbote das Päckchen erst bringt und dann wieder mitnimmt. Aber da der gratis Rückversand ein wesentliches Merkmal des Onlinehandels ist, ist in dieser Hinsicht keine Änderung in Sicht. 
Also: was haltet ihr davon mal wieder in ein Geschäft zu Fuß zu gehen, anstatt bequem von der Couch aus was anzuklicken, was man eigentlich doch nicht haben möchte?

Mittwoch, 27. November 2013

Nestlés Umgang mit Wasser


Nestlé – ein schweizerisches multinationales Unternehmen mit hundertjähriger Geschichte ist mittlerweile der weltweit größte Nahrungsmittelkonzern und globaler Marktführer im Geschäft mit Mineralwasser, Schokolade und Kaffee. Hier seht ihr welche Marken alle dazu gehören. Nach außen wird versucht, das Bild eines verantwortungsvollen Unternehmens aufrecht zu erhalten. Nestlé wirbt zB. auf seiner Homepage mit sozialem Engagement, der Unterzeichnung des Global Compact und für einen „verantwortungsvollen Umgang mit Wasser“. Näher betrachtet, sieht die Situation allerdings anders aus. 

Die Kritik an Nestlé reicht von Kinderarbeit über unfairen Handel, Tierversuche und Regenwaldzerstörung. 2013 wurde Nestlé verurteilt, weil der Konzern die Organisation Attac (Kritiker von Nestlé, welche ein Buch über das Unternehmen schreiben wollten) ausspionierte (mehr dazu unter: http://www.multiwatch.ch/de/p97000084.html). In Kolumbien wurden mehrere kritische Nestlé-Gewerkschafter ermordet. Hier wird dem Konzern Mitverursachung vorgeworfen. 

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Umgang des Unternehmens mit Wasser. 1/10 des Gesamtumsatzes macht Nestlé mit Flaschenwasser und ist damit zusammen mit Coca Cola, Pepsi und Unilever einer der Konzerne, die den weltweiten Trinkwassermarkt beherrschen. Das Unternehmen kauft Wassernutzungsrechte für wenig Geld in Entwicklungsländern, um dort das Wasser anzuzapfen, mit Mineralien zu versehen und teuer zu verkaufen. Durch die Produktion sinkt der Grundwasserspiegel und die umliegenden Brunnen werden trockengelegt. Die Konsequenz: Die oft arme Bevölkerung hat keinen Zugang zum Grundwasser mehr und ist auf das teure Flaschenwasser angewiesen. Zudem wird das oft saubere Grundwasser von dem Unternehmen schlecht geredet. 

Genau dies passierte beispielsweise in Algerien und Pakistan. Nestlé warb für „Pure Life“ mit einem Wasser, welches langes Leben verspricht und stellte das Brunnenwasser als verschmutzter dar, als es eigentlich war. Damit wurden tausende Arme Leute dazu animiert, das Nestlé Wasser zu trinken. Mittlerweile ist „Pure Life“ das zweiterfolgreichste Flaschenwasser der Welt und wird vor allem in Entwicklungsländern verkauft. So schafft Nestlé eine Nachfrage nach Wasser, um sie dann später zu befriedigen anstatt in diesen Ländern zu helfen, die öffentliche Wasserversorgung auszubauen. 
Problematisch ist dies außerdem, weil Wasser nicht einfach irgendeine Ressource ist, sondern ein Menschenrecht und überlebensnotwendig. Es ist eine gefährliche Entwicklung, dass mehr und mehr Wirtschaftsunternehmen sich im Zuge der Privatisierung von Wasser dieser knappen Ressource bemächtigen. Sie fassen Wasser als Produkt auf und versuchen so viel Geld wie möglich aus dieser Ressource zu schlagen.

Für alle Passauer: Im  Dokumentarfilm Bottled life wird Nestlés Umgang mit Wasser kritisiert. Er hat mittlerweile viele Film- und Medienpreise gewonnen und läuft vom 28.11 bis 4.12  in Passau im Scharfrichterkino. Schaut euch den Film an, um herauszufinden, wie glaubwürdig die sozialen Bekenntnisse von Nestlé wirklich sind und bildet euch eine Meinung! 

Eine interessante Doku zu dem Thema findet ihr hier: