Freitag, 6. Dezember 2013

Hinter den Kulissen von Zalando schreit nicht jeder vor Glück

Wer kennt sie nicht, die Werbespots mit lauter kreischenden Frauen, überglücklich über neue High Heels, Shirts und Kleider.
Zalando ist bereits fünf Jahre nach seiner Gründung zum Inbegriff des Online-Shoppings für Schuhe und Klamotten geworden. Über 15 Millionen Kunden in 15 Ländern kaufen bereits bei Zalando. Der schrille Kreischalarm ist also allgegenwärtig, schließlich hat Zalando den Glücksschrei zum Markenzeichen auserkoren. Doch wie siehts bei Zalando hinter den Kulissen, in den Logistikzentren aus?

Immer wieder gerät Zalando ins Visier von Gewerkschaften und Medien. Aus deren Sicht und seitens der betroffenen Mitarbeiter der Logistikzentren könnten die Arbeitsbedingungen besser sein. Die größten europäischen Logistikzentren Zalandos sind in Erfurt und Leipzig. In diesen strukturschwachen Gebieten Mitteldeutschlands werden die Onlinehändler auf roten Teppichen hofiert und gleichzeitig wird dadurch eine Riesenzahl an Niedriglöhnern gefördert. So gibt es bei Zalando keine Tarifverträge, dafür aber permanente Kontrolle, Sitzverbot, lange Wege und kurze Pausen. Im Sommer sind die Lagerhallen viel zu heiß, sodass die Packer massiv mit Kreislaufproblemen kämpfen und im Winter in den zugigen Gebäuden frieren. Das Akkordpacken ist kein Traumjob, denn das Lohnniveau befindet sich am unteren Level und reicht alleine zum Überleben nicht aus. Viele der Mitarbeiter müssen ihren Lebensunterhalt aufstocken und bekommen so zusätzlich zum Job staatliche Unterstützung. Unwahrscheinlich, dass unter diesen Bedingungen auch allen Mitarbeitern nach einem Schrei vor Glück zu mute ist.

Damals hat das Land Thürignen Zalando eine Strukturförderung in Höhe von 22,4 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Zwar bekommt die Region vor Ort als Gegenleistung ein paar tausend Arbeitsplätze, aber keine Gewerbesteuer von Zalando. Thüringen bewirbt mit seiner Förderpolitik also gezielt die eigene Region als Niedriglohngebiet! Aber sollte es nicht das Ziel sein Arbeitsplätze zu schaffen, von denen man auch (über-)leben kann?
Daran sieht man, dass großes (Konsumenten-)Glück und (Mitarbeiter-)Unglück ganz dicht beieinander liegen können.

Habt ihr gewusst, das Klamotten und Schuhe mittlerweile knapp 20% des kompletten Onlinehandels ausmachen? Und dass 50% der Bestellungen bei Zalando, bestimmt auch dank der gratis Rückversandsoption, wieder zurückgeschickt werden? Besonders nachhaltig für die Umwelt ist das ja nicht, wenn der Postbote das Päckchen erst bringt und dann wieder mitnimmt. Aber da der gratis Rückversand ein wesentliches Merkmal des Onlinehandels ist, ist in dieser Hinsicht keine Änderung in Sicht. 
Also: was haltet ihr davon mal wieder in ein Geschäft zu Fuß zu gehen, anstatt bequem von der Couch aus was anzuklicken, was man eigentlich doch nicht haben möchte?

 

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