Dienstag, 12. November 2013

H&M sammelt Altkleider - tatsächlich nachhaltig oder reines Greenwashing?

Einige von euch sind wahrscheinlich schon auf die Altkleiderkampagne von H&M aufmerksam geworden. Kurz erklärt: H&M nimmt in ausgewählten Filialen Deutschlands Tüten mit alter Kleidung an und schenkt seinen Kunden im Gegenzug 15% Rabatt auf ein Teil beim nächsten Einkauf. Auf den ersten Blick sind alle begeistert: „Ich tue Gutes und kriege mit Rabatt noch mehr Neues!“
Näher betrachtet unterstelle ich H&M reines greenwashing. 
Diese Kampagne ist ein genialer Marketingschachzug der das Unternehmen nicht nur in ein besseres Licht rücken soll, sondern auch noch umsatzsteigernd wirkt. Doch ist diese Aktion so gar nicht nachhaltig, letztlich regt sie uns nur an verbilligt noch mehr zu kaufen. 

Und es kommt noch härter. Denn der eigentliche Nutzen von dem H&M profitiert ist das weitere Geschäft, das das Unternehmen mit der gesammelten alten Kleidung betreibt.
Schätzungsweise fallen allein in Deutschland jährlich ca. 750.000 Tonnen Altkeider an. Jede Tonne ist auf dem freien Markt bis zu 550€ wert! Somit ist dies ein extrem lukratives Geschäftsfeld um das es zu kämpfen gilt, weshalb wohltätige Organisationen in Bedrängnis geraten.

So will auch H&M einen Teil des Kuchens abhaben. Die Rechnung ist ganz leicht:
Geht man von einem neuen Kleidungsstück bei H&M für ca. 13€ aus, erhält der Kunde für seine Tüte Altkleider einen Rabatt von 1,95€. Ist die abgegebene Kleidung nicht ganz zerfetzt bringt sie H&M 3-5€ und selbst bei Abfall bekommt das Unternehmen immernoch bestimmt einen Euro dafür, wenn diese Kleidung zu Lappen oder Dämmmaterial weiter verarbeitet werden.
H&M behauptet auf seiner Informationsplattform keinerlei Gewinn erzielen zu wollen.
In einem Interview informiert der Nachhaltigkeitsmanager für H&M Deutschland, Alexander von Aufschnaiter, wie folgt:
„Wir erzielen mit dieser Initiative keinen Gewinn. Mit jedem in Deutschland gesammelten Kilogramm Altkleidung wird die Organisation „Menschen für Menschen“ mit 2 Cent unterstützt.“
2 Cent?! Angesichts des möglichen Gewinns pro Tüte die H&M kassiert, erscheinen mir 2 Cent ziemlich lächerlich…
„Das weitere Geld, das wir mit der Initiative einnehmen, geht an die H&M Conscious Foundation. Das Geld wird zum einen für Investitionen in Forschungsprojekte für einen geschlossenen Kreislauf eingesetzt, zum anderen auch für soziale Projekte entlang der Wertschöpfungskette von H&M.“
Allein wie das schon klingt - entlang der Wertschöpfungskette - da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Von diesen sozialen Projekten ist leider nicht viel zu sehen. 

Fazit: Alleiniger Gewinner bei dieser Aktion ist H&M selbst. Sie wollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ein grüneres Image und gleichzeitig mehr Umsatz.
Vielleicht sollte H&M weniger Wert auf solch zweifelhafte Geschäftszweige legen um sein Image zu verbessern sondern tatsächlich die Arbeitsbedingungen „entlang ihrer Wertschöpfungskette“ hinter ihren Massenkollektionen verbessern.





Sonntag, 10. November 2013

eine faire App...


Habt ihr euch nicht auch schon einmal gefragt, was eigentlich genau in all den Tuben und Döschen, all den Tüten, Gläsern und Schachteln steckt, die man in seinem Badezimmer und in der Küche so vorfindet? Die Zutaten und Inhaltsstoffe auf den Verpackungen lesen sich meist wie „Bahnhof“ und bringen daher nur wenig Aufschluss. Das macht die Wahl gesunder und nachhaltiger Produkte schwierig. Aber das Smartphone kann Abhilfe schaffen. Mit der richtigen App fällt einem die Entscheidung wesentlich leichter, wenn man mal wieder vor einem Supermarktregal steht und sich nicht entscheiden kann. Zumindest geht es mir so.
Zum Beispiel liefert die App „Codecheck“ genau die Informationen, die man für den gesunden und nachhaltigen Konsum benötigt. Mit der App kann man Produkte suchen, über ihren Strichcode scannen oder die bereits gespeicherten Kategorien durchstöbern. Der Codecheck zeigt nicht nur eine Nährwert-Ampel und alle Inhaltsstoffe an, sondern auch inwieweit Inhaltsstoffe empfehlenswert oder aber gefährlich sein können. Außerdem liefert er nützliche Infos zu den Produkten, den jeweiligen Inhaltsstoffen und zu Gütesiegeln. Probiert es doch mal aus! Vielleicht hilft es euch auch euch besser im Produkt- und Gütesiegeldschungel zurechtzufinden.
Wer kein Smartphone hat, kann das Ganze übrigens auch auf der Homepage www.codecheck.info testen. 

Nivea Creme im "Codecheck" 

Samstag, 9. November 2013

Fairphone - wie fair kann die Produktion eines Smartphones sein?


Smart aber fair
Eine Banane kann man fair handeln, die besteht ja nur aus „einem Teil“. Aber ein Smartphone, das aus einer Vielzahl von Komponenten besteht, die jeweils eine eigene Lieferkette haben, kann man da genauso von fairem Handel sprechen?
Tatsächlich gibt es mittlerweile ein niederländisches Start-up namens Fairphone, das es sich auf die Fahne geschrieben hat, ein ethisch korrektes Smartphone zu produzieren. Mittels Crowdsourcing haben sie  die nötigen finanziellen Ressourcen für die Massenfertigung erhalten. Produziert werden sollen nun 25.000 Stück, das ist die Mindestanzahl für die Massenfertigung. Mittlerweile sind über 20.000 Stück vorbestellt und die Besitzer werden ihre Fairphones noch vor Weihnachten in den Händen halten. Optisch und auch funktionell kann das Fairphone mit der gängigen Konkurrenz von Samsung und Co. mithalten. Gut, und was ist daran nun fair?
Auch dieses Smartphone wird in Asien produziert. Die Herstellungsschritte und die dabei entstehenden Kosten werden von Fairphone detailliert auf deren Blog protokolliert. Die 325 Euro, die es den Kunden kostet, sind dort also transparent dargestellt.
Zunächst einmal hat das Unternehmen Fairphone auf einen fairen Zusammenbau geachtet. Die Fertigung in Asien wird überwacht von der unabhängigen Arbeitsrechtorganisation Taos. Damit werden zwar menschenwürdige Arbeitsbedingungen sichergestellt,  aber wie sieht es mit den verarbeiteten Rohstoffen aus? Immerhin stecken in einem Gerät 30- 40 Metalle. Das Problem dabei ist, dass an vielen Metallen, die zur Handyfertigung notwendig sind buchstäblich Blut klebt. Konkret: wir benötigen für ein Smartphone Zinn, Kobalt, Wolfram oder Tantal. Diese Materialien kommen aus dem vom Bürgerkrieg geplagten Ostkongo, wo u.a. Kindersoldaten seltene Erze schürfen und sich Kriegsfürsten am Rohstoffverkauf bereichern.
Fairphone hat zumindest für Zinn und Tantal faire Alternativen gefunden. Für Wolfram und Kobalt kann dies aber auch hier nicht garantiert werden. Ein weiteres faires Kriterium stellt die Austauschmöglichkeit des Akkus dar. Damit kann das Smartphone langfristiger genutzt werden, sofern der Nutzer bereit ist seinem Gerät so lange wie möglich treu zu bleiben. Interessant ist auch dass das Smartphone ohne Zubehör wie Ladegerät, Kabel, Kopfhörer geliefert wird. Damit soll der Nutzer vorhandenes Equipment nutzen, welches sonst ungenutzt in der Schublade verschwinden würde. Das Gehäuse ist zudem aus gebrauchtem Kunststoff Polycarbonat und hilft somit Müll zu vermeiden. Aber auch das Fairphone ermöglicht kaum eine Wiederverwendung elektronischer Bauteile.

Mittwoch, 6. November 2013

Eine echt fairlockende Hochschulgruppe - SNEEP

An dieser Stelle möchten wir euch eine sehr interessante Hochschulgruppe vorstellen, nämlich sneep, bzw. das Netzwerk und deren Lokalgruppe in Passau. Sneep steht für: Student Network for Ethics in Economics and Practice. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik mit 20 Lokalgruppen in ganz Deutschland, welches es sich zum Ziel gesetzt hat, den wirtschafts- und unternehmensethischen Diskurs in Gesellschaft und Wissenschaft zu fördern, sowie nachhaltiges Wirtschaften in Theorie und Praxis anzutreiben. 

Wir finden, das ist eine klasse Sache.

Ab dem 05.11.13 könnt ihr eine Ausstellung zum Thema Wirtschaftsethik der Lokalgruppe sneep Passau im Foyer der Zentralbibliothek der Uni Passau besuchen.

Sneep hat dabei 2012 Studenten_innen, Professoren_innen sowie Unternehmern_innen befragt, was sie sich unter "Wirtschaftsethik" vorstellen. Die Befragten hatten die Möglichkeit mit Hilfe einer Skizze bildlich festzuhalten, was Wirtschaftsethik für sie ausmacht. Anschließend wurden sie gemeinsam mit ihrer Zeichnung fotografiert und interviewt. Im Mittelpunkt steht neben dem Versuch einer "Definition" von Wirtschaftsethik auch die Frage inwiefern man z.B. in seiner Rolle als Konsument ethisches Wirtschaften unterstützt und ob die Thematik stärker in der Lehre an der Uni Passau eingebunden werden soll. All das sind der sneep-Lokalgruppe wichtige Anliegen. Die Aktualität der Thematik soll zudem durch eine Presseschau unterstrichen werden. 

Wenn ihr zudem Lust habt, selbst bei der sneep Lokalgruppe Passau aktiv zu werden, schaut doch einfach mal vorbei: Dienstags, 20:00 Uhr, ZMK (neues Mediengebäude), Raum 003.






Montag, 4. November 2013

Coole und faire Kleidung? Armed Angels


Spätestens seit dem Einsturz der Fabrik in Bangladesch sind die Arbeitsbedingungen der Textilbranche wieder in das Bewusstsein der Allgemeinheit gerückt. Dass ein T-Shirt für 5 Euro eigentlich nicht unter fairen Bedingungen für die Arbeiter hergestellt worden sein kann, ist den meisten Menschen mittlerweile klar. 

Was kann ich also tun, um fairen Handel zu unterstützten? Umsteigen auf Öko-Labels? Aber was, wenn ich meinen Kleidungsstil eben nicht zum Öko-Look ändern möchte? Gibt es überhaupt fair gehandelte Kleidung, die auch noch gut aussieht? 

 
Heute möchte ich euch ein Modelabel aus Köln vorstellen, welches versucht trendige Klamotten aus fair gehandelter Baumwolle herzustellen: Armedangels.

Philosophie des Unternehmens ist es sowohl umweltfreundlich, als auch fair für Bauern und Arbeiter in den Herstellungsländern der Baumwolle zu agieren. Die Kleidung von armedangels ist daher mit dem Fairtrade Siegel versehen und gewann 2012 den „fairtrade award“ in der Kategorie Handel. Der Weg der Biobaumwolle ist transparent und kann bis nach Indien zurückverfolgt werden, wo den Arbeitern gerechte Preise gezahlt werden. Sie erhalten zudem eine Fairtrade-Prämie, welche zum Bau von Gemeinschaftsprojekten wie Schulen oder Krankenhäuser genutzt wird. 



Natürlich muss man für die Kleidung von armedangels ein bisschen mehr zahlen als bei H&M und Co. Aber dafür bekommt man garantiert gute Qualität, einen coolen Style und fair gehandelte Produkte. Ich finde es lohnt sich auf jeden Fall. 

Schaut vorbei auf www.armedangels.de. Vielleicht findet ihr auch ein Schnäppchen im Sale?

Samstag, 2. November 2013

Biofleisch oder Fleisch aus konventioneller Haltung - was macht den Unterschied?


Wie realistisch sind unsere Biovorstellungen?
Stehe ich vor der Wahl ob Biofleisch oder nicht, dann schweifen meine Gedanken zu über grüne Wiesen streifenden braunen Hühnern, zu sich im Dreck wälzenden Schweinen und bis zum Horizont reichenden Rinderweiden. Diese Bilderbuch-vorstellungen will ich mir auch ungern nehmen lassen. Wenn es den Tieren gut geht, bin ich bereit auch mehr dafür zu zahlen, immerhin kostet Biofleisch ungefähr doppelt so viel. Doch wie realitätsnah sind meine Biovorstellungen?  

Freitag, 1. November 2013

Wie Kitkat den Regenwald zerstört

Was haben Shampoo, Kitkat, Lippenstift und Waschmittel gemeinsam? Es sind alles für uns alltägliche Produkte aus dem Supermarkt UND sie alle beinhalten das meistverkaufte Pflanzenöl der Welt: Palmöl. Schon mal gehört? 


Auch wenn es nicht überall draufsteht, denn eine Kennzeichnungspflicht gibt es (noch) nicht, Palmöl versteckt sich oft unter der Bezeichnung „pflanzliches Öl“ oder „pflanzliches Fett“ auf Lebensmittelverpackungen und ist in jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten. Als ich das erfahren habe, bin ich auf der Suche nach „pflanzlichem Fett“ in meiner Wohnung tatsächlich auf eine ganze Menge Produkte gestoßen. Nutella zum Beispiel :-)



Ok, dieses Fett ist anscheinend wirklich weit verbreitet, aber wo liegt jetzt das Problem?

Palmöl ist eine der gesättigten und damit eher „ungesunden“ Fettsäuren. Die Produktion ist billig, der Ertrag hoch und das Öl leicht weiterzuverarbeiten. Das sind die Gründe für die ständig steigende Nachfrage. Es werden  immer mehr Anbauflächen benötigt, die sich hauptsächlich in Indonesien und Malaysia befinden. Die Folgen der Herstellung von Palmöl sind unter anderem für die Umwelt dramatisch: Es werden nicht nur Regenwälder und Moore zerstört (welche wichtige CO2 Speicher sind), sondern auch Tierarten sind vom Aussterben bedroht.  Außerdem werden durch den Anbau das Land und die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört. 

Unternehmen wie Nestlé wird daher vorgeworfen, durch die Verarbeitung von Palmöl an der Umweltzerstörung und den sozialen Konflikten in den Herstellungsländern mitschuldig zu sein. Mittlerweile betont Nestlé zwar, dass nur noch nachhaltiges Palmöl verwendet wird. Aber: Ob es überhaupt nachhaltig hergestelltes Palmöl gibt, ist umstritten. Mich hat das Nachforschen zu dem Thema nachdenklich gemacht. Wie viel Regenwald ist wohl für die Produkte draufgegangen, die ich bisher gekauft habe? 

Wenn ihr mehr über Palmöl erfahren möchtet, schaut euch das Video an: